Eine CSS im Wandel blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück

«Wandel» – unter diesem Titel kann man das erfolg­rei­che Geschäfts­jahr 2016 der CSS zusam­men­fas­sen. Die Wahl einer neuen CEO ging einher mit der Um­struk­turie­rung des ganzen Unter­neh­mens.

Der 1. Sep­tem­ber 2016 war in verschiedener Hinsicht ein denkwürdiger Tag für die CSS. Mit Philomena Colatrella trat nicht nur zum ersten Mal eine Frau als CEO an die Spitze des Unter­neh­mens. Der 1. Sep­tem­ber war auch der Tag, an dem die Neu­orga­nisa­tion der CSS bekannt­gege­ben wurde. Damit haben wir auf den immer rasan­teren Wan­del im schweize­ri­schen Gesund­heits­markt und die fort­schrei­tende Digi­tali­sie­rung reagiert. Im Rahmen der Neu­orga­nisa­tion wurden die Pro­file der ein­zel­nen Konzern­berei­che so geschärft, dass sie für die Zukunft bes­tens auf­ge­stellt sind. Wo nö­tig und sinn­voll, wurden die Auf­gaben gebün­delt, etwa im Be­reich der Kunden­zu­frie­den­heit. Philomena Colatrella hat der CSS bei ihrem Amts­an­tritt ein neues Kleid ge­schnei­dert, das es erlau­ben wird, auf all die anste­henden Heraus­for­derun­gen agil zu rea­gie­ren und die rich­tigen Ant­wor­ten zu geben.

Digitalisierung als Herausforderung

Eine der grossen Heraus­for­derun­gen, denen sich die CSS zu stel­len hat, ist die Digi­tali­sie­rung. Ein Anlass, den die CSS im Januar 2016 durch­führ­te, hat uns gezeigt, welche Mög­lich­keiten «Big Data» eröff­nen könnte. Ich schreibe bewusst «könnte». Denn das Pro­blem der Digi­tali­sie­rung ist nicht, dass uns nicht genügend Da­ten zur Ver­fü­gung stehen würden – im Gegen­teil. Die Krux besteht darin, dass sich die Daten­men­gen viel schneller ent­wickeln als die tech­nischen Mög­lich­kei­ten, dieser Flut von Infor­mation­en Herr zu werden. Der Grat zwischen einer sinn­vollen Nut­zung digi­ta­ler Daten und der Gefahr, in dieser Flut von Infor­ma­tio­nen unter­zu­gehen, ist also sehr schmal. Zudem bein­haltet Digi­tali­sie­rung nicht bloss die Tech­nik, die da­hinter­steht. Nur wenn von der Tech­no­lo­gie über den Men­schen bis hin zu seinem Den­ken und seinem Um­gang mit den neuen Mög­lich­kei­ten alles per­fekt zu­sam­men­spielt, kann die Digi­ta­li­sie­rung letzt­lich ihre volle Wir­kung ent­falten.

Daten sinnstiftend einsetzen

Die CSS versucht, die Digi­ta­li­sie­rung dort voran­zu­trei­ben, wo tat­säch­lich schlüs­sige Daten vorhanden sind und diese sinn­stif­tend ein­ge­setzt werden können. Ich denke da zum Bei­spiel an das Pro­jekt Quali­Check, das die CSS im Sommer 2016 lanciert hat. Im Rahmen von Quali­Check haben wir alle zur Verfü­gung stehenden Schwei­zer Spital­da­ten den Ver­si­cher­ten online zur Ver­fü­gung gestellt. Quali­Check ermög­licht es einer­seits, dass eine Per­son auf der Basis von kla­ren Fak­ten eine Spi­tal­wahl treffen kann – zum Bei­spiel vor einem ope­ra­tiven Ein­griff. Ande­rer­seits kann das digi­tale Tool dazu beitragen, mehr Licht ins Dunkel zu bringen und die Qualität in den Schweizer Spi­tälern zu fördern, wo noch zu oft das Motto «Masse statt Klasse» gilt. Digi­tale Inno­va­tio­nen wie Quali­Check können mit­helfen, dass die Ver­si­cher­ten nach und nach in eine neue Rolle hinein­wach­sen, weg vom reinen Konsu­men­ten von Gesund­heits­dienst­lei­stun­gen hin zum Pa­tien­ten, der be­fähigt wird, sich im Dschun­gel des schweize­ri­schen Gesund­heits­we­sens besser zu­recht­zu­finden. Wer besser in­for­miert ist, kann besser ent­schei­den, wo welche Dienst­leis­tung in bes­ter Quali­tät ange­bo­ten wird – was aber gleich­zei­tig mehr Eigen­ver­ant­wor­tung erfor­dert.

Politik geht in eine andere Richtung

Wäh­rend wir als Kran­ken­ver­siche­rung die Mög­lich­kei­ten der Digi­tali­sie­rung sinn­stif­tend ein­zu­set­zen und die Eigen­ver­ant­wor­tung der Ver­sicher­ten zu fördern ver­suchen, scheint mir die Poli­tik den gegen­tei­ligen Weg einzuschlagen. Ich denke da zum Bei­spiel an das Thema Wahl­fran­chisen. Diese erachte ich als den gröss­ten Hebel, um die Ver­sicher­ten für mehr Eigen­ver­ant­wortung zu sensi­bi­lisie­ren. Doch statt den Kranken­ver­siche­rungen in dieser Thema­tik mehr Spiel­raum für neue Model­le zu geben, gingen die bundes­rät­lichen Ideen 2016 in eine andere Rich­tung. Zwar ist der Vor­schlag des Bundes­amtes für Gesund­heit, gewisse Franchi­sen zu streichen und die Rabat­te auf hohe Franchi­sen mas­siv zu kürzen, vorder­hand auf Eis gelegt. Doch allein schon die geäus­serte Ab­sicht zeigt, dass die Vor­schläge aus Bern vor allem in eine Rich­tung gehen: Gleich­schal­tung aller Ver­sicher­ten. Gleiches gilt für die der­zeit zur Dis­kus­sion stehende Nivel­lie­rung der Prä­mien­regio­nen. Dass in einem solchen System kaum An­reize bestehen, sich eigen­ver­ant­wort­lich zu ver­halten und damit zur Kosten­dämpfung beizu­tragen, liegt auf der Hand. Deshalb wird es auch in Zukunft eines der zentra­len Anliegen der CSS sein, sich für ein frei­heit­liches und wett­bewerb­liches Schwei­zer Gesund­heits­system einzusetzen.

Prämiensituation ist angespannt

Ich bin über­zeugt, dass ein solches Sys­tem mass­geblich dazu bei­tragen könn­te, die ange­spannte Prämien­situa­tion zu ent­lasten. Und dies ist auch drin­gend not­wendig, prog­nos­ti­ziert doch die Kon­junk­tur­for­schungs­stel­le der ETH auch für die kom­menden Jahre einen unver­minder­ten Prä­mien­an­stieg. Bisher waren stets die Kran­ken­ver­si­cherer die Prügel­kna­ben, wenn es um Prä­mien­an­stie­ge ging. Doch nun stelle ich erfreu­licher­weise ein lang­sames Um­denken fest. Gemäss dem «Gesund­heits­monitor 2016» von Inter­pharma, dem Verband der for­schenden pharma­zeu­tischen Firmen der Schweiz, bleiben zwar die Leis­tungen im Grund­versi­cherungs­kata­log mehr­heit­lich akzep­tiert, aber es gibt einen Trend, keine Mehr­leis­tungen mehr zu befür­worten. Unter Druck geraten ist ins­beson­dere die kollek­tive Verant­wor­tung für sehr teure Behand­lungen. Wachsend ist auch das Verständ­nis für Ober­grenzen und Therapie­verzicht. Eine wichtige Erkennt­nis, die mit­helfen kann, den unge­bremsten Kosten­anstieg zu­mindest zu bremsen. Ich hoffe denn auch, dass sich statt des all­jähr­lichen Sturms der Ent­rüstung langsam eine Brise der Erkennt­nis über die ganze Kosten­diskus­sion im Gesund­heits­wesen legen wird.

CSS leistet Beitrag zur Kostensenkung

Angesichts der angespannten Prämien­situa­tion setzt die CSS seit je alles daran, ihren Bei­trag zur Kosten­sen­kung zu leisten. Unter anderem betreibt sie ein strik­tes Lei­stungs­kos­ten­manage­ment. Allein 2016 konnte sie damit rund eine Milliar­de Fran­ken einsparen. Dies hat mit­gehol­fen, dass die CSS für das abge­lau­fene Geschäfts­jahr ein anspre­chen­des Geschäfts­ergeb­nis präsen­tieren kann. Dieses hilft mit, die finan­ziel­len Reser­ven zugunsten der Ver­sicher­ten weiter zu stärken. Und die neue CEO hat die Gewiss­heit, die Zukunft mit einer finan­ziell soliden CSS angehen zu können.

Jodok Wyer
Präsident des Verwaltungsrates